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Gegen das Vergessen
Vergissmeinnicht-Pflanzaktion des Kreises Offenbach im Elisabeth-Maas-Haus
Im Elisabeth-Maas-Haus in Offenbach wurde am 25. März ein sichtbares Zeichen für Menschen mit Demenz gesetzt: Im Rahmen einer kreisweiten Vergissmeinnicht-Pflanzaktion entstanden blühende Symbole der Erinnerung. Insgesamt wurden in elf Kommunen im Kreis Offenbach sowie in der Stadt Offenbach 1.150 Vergissmeinnicht im öffentlichen Raum oder vor Einrichtungen gepflanzt.
Die zarten blauen Vergissmeinnicht stehen sinnbildlich für Erinnerung, zugleich aber auch für Wertschätzung und Solidarität. Demenziell Erkrankte sind Teil unserer Gesellschaft, dennoch geraten ihre Bedürfnisse und Lebensrealitäten oft aus dem Blick. Die Pflanzaktion möchte dazu beitragen, das Bewusstsein zu stärken und zu einem offenen, verständnisvollen und respektvollen Umgang ermutigen.
Auch im Elisabeth-Maas-Haus spielt die Betreuung von Menschen mit Demenz eine zentrale Rolle: Rund zwei Drittel der Bewohnerinnen und Bewohner sind von dieser Erkrankung betroffen. In allen Wohnbereichen leben Menschen mit unterschiedlichen Demenz-Ausprägungen, auch schwerst Erkrankte. Der Alltag in der Einrichtung ist darauf ausgerichtet, ihnen mit Wertschätzung, Verständnis und individueller Zuwendung zu begegnen. Besondere Angebote wie regelmäßige Besuche einer Musikgeragogin, der Einsatz einer Tover-Tafel (ein interaktives Projektionssystem zur Förderung von Demenzerkrankten) sowie tiergestützte Intervention tragen zur Lebensqualität der Bewohnerinnen und Bewohner bei. Darüber hinaus gibt es monatliche Feste und besondere Aktionen wie den Eis- oder den Hähnchenwagen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der Angehörigenarbeit, denn die demenziellen Veränderungen eines geliebten Menschen müssen verkraftet und verstanden werden. Gleichzeitig bleiben bei den Erkrankten Gefühle, Wahrnehmungen und das Bedürfnis nach Nähe und Zugehörigkeit erhalten. „Wir versuchen, die Menschen in ihrer Welt zu erreichen und zu begleiten“, betont Slavica Kobas, die Einrichtungsleiterin. „Die Vergissmeinnicht-Pflanzaktion ist für uns ein wichtiges Zeichen: Wir wünschen uns mehr Aufmerksamkeit für das Thema Demenz und möchten auch Menschen erreichen, die bislang wenig damit zu tun haben. Es ist wichtig, Berührungsängste abzubauen und mehr Verständnis zu schaffen. Gleichzeitig brauchen wir dringend mehr Unterstützung, sowohl durch ehrenamtliches Engagement als auch auf politischer Ebene. Gute Betreuung erfordert ausreichend Personal.“
An der Pflanzaktion im Elisabeth-Maas-Haus beteiligten sich neben Mitarbeitenden der Stadtwerke und der Stadt Offenbach Bewohnerinnen aus dem Einrichtungsbeirat, die Einrichtungsleitung sowie die Vorstandsvorsitzende des Freundeskreises Evangelischer Frauenverein Offenbach am Main e.V. Platz fanden die Vergissmeinnicht in einem eigens angelegten Beet hinter dem Haus sowie auf den Balkonen der Gemeinschaftsküchen.
Die Aktion ist ein Zeichen der Wertschätzung für die Bewohnerinnen und Bewohner und alle Menschen, die sie täglich begleiten. Gleichzeitig ist sie weit mehr als ein symbolischer Akt: Sie rückt das Thema Demenz stärker in das öffentliche Bewusstsein und lädt dazu ein, sich aktiv damit auseinanderzusetzen und Vorurteile abzubauen.
Mit jedem gepflanzten Vergissmeinnicht wächst so nicht nur ein Stück Natur, sondern auch ein Stück gesellschaftliche Aufmerksamkeit.

